Innerhalb des Wild-Apfel-Projektes werden Wanderungen definiert, die dann hier angezeigt werden. Mehr zu den Zielen des Projektes finden sich hier: Wanderungen im Projekt
 

Kleine Wildobstwanderung am Geisingberg

Klein,  denn die vorgeschlagene Wanderstrecke ist kaum 5km lang, aber dennoch anspruchsvoll und erweiterbar und zu jeder Jahreszeit gespickt mit wunderbaren Highlights entlang der Route. Über 20 Wildobstarten sind am und um den Geisingberg heimisch und prägen die kulturhistorisch wertvolle Steinrückenlandschaft. Im sehr späten Frühjahr, denn hier oben ist das Klima von jeher rau, bieten Eberesche,  Holunder, Weißdorn oder verschiedene Wildrosenarten und auch der seltene Wild-Apfel  ein imposantes Bild. Auch die kaum bekannte Alpen-Johannisbeere kann man zu jeder Jahreszeit betrachten, denn sie wächst hier mit einem beachtlichen Bestand. Wenn die (weiblichen) Sträucher, die unseren Gartenjohannisbeeren im Aussehen aber nicht im Geschmack ähneln, später die roten kleinen Beeren tragen, ist das wunderschön anzuschauen. Zugabe erhält der Wanderer Ende Mai/ Anfang Juni, denn dann blühen die entlang der Strecke verlaufenden Bergwiesen in unerschöpflicher Pracht. Wer das einmal sehen durfte, wird sicher nicht das letzte Mal am Geisingberg zu Besuch sein.  Im Spätsommer und Herbst zieren die Früchte das Wildobstes die Landschaft, ernten darf man sie hier aber nicht, denn schließlich befinden wir uns in einem der wertvollsten Naturschutzgebiete und überlassen deshalb die Früchte lieber den Tieren, die sie nötiger haben als wir. Denn schon bald bricht der lange schneereiche Winter herein und dann ist jedes Früchtchen am Baum oder Strauch willkommen. Wer Kälte und Schnee mag sollte unsere Kleine Wildobstwanderung einmal im Winter versuchen. Das Stapfen durch den (meist) üppigen Schnee ist etwas anstrengend, doch das Bild von Zweigen und Trieben mit den letzten Früchten des Herbstes, verschönert durch  Eis, Schnee und  Kälte und der Blick über die verschneite Steinrückenlandschaft  bieten dafür allemal genug Entschädigung.

 

Wegpunkte

Start: Parkplatz zum Geisingberg (Altenberg)

Nach nur 5-10 Gehminuten gelangt man vom Bahnhof Altenberg, den man gut mit Bus oder der Müglitztalbahn erreichen kann,  zum Startpunkt unserer Wanderung. Dieser Parkplatz bietet natürlich auch die Möglichkeit, das eigene Fahrzeug hier zu parken.

Das Naturschutzgebiet Geisingberg, in welchem wir uns nun in den nächsten ca. 2 Stunden bewegen werden, könnte man wohl als einen Geheimtipp ansehen. Hier lässt es sich in aller Ruhe spazieren, wandern und fernab vom Massentourismus die einzigartige Steinrückenlandschaft mit den umliegenden Bergwiesen genießen.  Bereits am Fuß des Geisingberges kann man über die Wiesen und Steinwälle weithin ins Tal schauen. Für einen Blick vom Turm oben auf dem 824 Meter hohen Geisingberg sollte man sich genügend Zeit nehmen, vielleicht auch bei einer nächsten Wanderung.

Denn Eile ist nicht angebracht, will man diesen herrlichen Rundum-Blick genießen (vorausgesetzt der geheimnisvolle Böhmische Nebel ist nicht schon wieder unterwegs).

Eine große Tafel am Parkplatz informiert über das zurückliegende „Naturschutzgroßprojekt Bergwiesen im Osterzgebirge“. Durch die vorbildliche Bündelung von Naturschutz, Landwirtschaft und Politik in diesem Projekt können heute die hiesigen Bergwiesen in diesem einzigartigen Zustand präsentiert werden. Möge dieser Zustand mit Sachverstand und weiterer Initiativen auch zukünftig zu erhalten sein. Nun geht`s los….

Ganz viele Informationen zum Naturschutzgebiet Geisingberg gibt es hier: Naturführer Osterzgebirge/ Naturkundliche Wanderziele

2 Hinauf zum Baum des Jahres 2013

Nach rechts geht es nun hinauf, denn dort oben haben wir vor einiger Zeit eine Tafel aufgestellt. Weshalb sie dort steht, erzählen wir dann dort. Denn vorher wollen wir noch diesen schönen Blick ins Tal in aller Ruhe genießen, der uns in einigen Gehminuten erwartet.

 

3 Der Wild-Apfel  Baum des Jahres 2013  (An der Tafel)

Nicht schlecht staunten wir, als wir erfuhren, dass der Wild-Apfel Baum des Jahres 2013  werden sollte. Damit erfährt nicht nur die Baumart eine Ehrung, sondern auch unser langjähriges Bemühen um den Erhalt des Wild-Apfels im Osterzgebirge. Im September 2012 reisten wir gemeinsam mit unseren Projektkolleginnen des Julius Kühn Institutes Pillnitz nach Berlin, denn dort findet in jedem Jahr die Ausrufung durch die Dr. Silvius Wodarz Stiftung statt. Die Stiftung hat diese Ehrung einst ins Leben gerufen und vergibt seitdem jährlich einmal den Titel Baum des Jahres. Die Berichte über unsere Projektarbeit kamen sehr gut an, denn im kommenden Mai war das  Holzäppelgebirge Austragungsort der  Bundestagung. Gemeinsam mit der Stiftung organisierten wir ein abwechslungsreiches Programm. Die Vorträge am ersten Veranstaltungstag in Tharandt wurden umrahmt von Kultur und Kulinarischem vom Holzäppel und jeder Menge Fachsimpeleien um den kleinen Wilden. Diese ließen sich am zweiten Veranstaltungstag direkt im Projektgebiet natürlich optimal fortführen. Auch der Staatsbetrieb Sachsenforst als weiterer Partner im Wild-Apfelprojekt gab bereitwillig Auskunft. Gebündeltes Wild-Apfel-Wissen  für die Teilnehmer der Tagung und die vielen Besucher, die in den nächsten Wochen den Weg auf Schloss Lauenstein finden sollten, rundeten das Bild des Wild-Apfels im Osterzgebirge ab. Diese und die folgende Ausstellung zum Wild-Apfel und den heimischen Wildobstarten zeigten, wie vielfältig die Beschäftigung, unter anderem mit dem Osterzgebirgischen Holzäppel, doch sein kann. Weitere Infos www.wildapfel.info (Wildapfelprojekt)

Dieser Wild-Apfelbaum, ein Sämling  gebietseigener Herkunft, wurde am 24. Mai 2013 von den Teilnehmern der Tagung „Baum des Jahres“ gemeinsam gepflanzt.

4 Aus der Geschichte der Steinrücken am Geisingberg

Von  mühsamer Feldwirtschaft zeugen die etwa 100 Steinrücken rings um den Geisingberg, die zusammen rund zwölf Kilometer Länge ergeben, plus zahlreiche “Steinhorste” (Lesesteinhaufen). Die Steinrücken erstrecken sich hier nicht als parallele Hufenstreifenbegrenzungen, wie bei den Waldhufendörfern der ersten Besiedlungsphase, sondern bilden ein unregelmäßiges Mosaik. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden auch die Gehölze der Steinrücken genutzt: als Brennmaterial für Öfen und Herde. Als dann, mit Einzug der Kohle als Hauptenergiequelle, das damit verbundene, regelmäßige “Auf-Stock-setzen” ausblieb, wuchsen die Gehölze großen, schattenwerfenden Bäumen heran. Eine der heutigen Naturschutzmaßnahmen im Gebiet besteht darin, die Gehölze wieder auszulichten, um den einstigen offenen Charakter der Steinrücken wiederherzustellen.

Überfordert mit dem enormen Holzbedarf insbesondere des Bergbaus waren die Wälder rund um Altenberg. Wie auf vielen anderen Waldflächen wuchsen auf dem Geisingberg im 18./19 Jahrhundert kaum noch nutzbare Bäume. An dessen westlichen Waldrand stehen allerdings einige alte Buchen, deren Stammumfänge ein Alter von 200 Jahren oder mehr nahelegen. Ihrem breitkronigen Habitus nach muss es sich um sogenannte Hutebuchen gehandelt haben. Deren Bucheckern boten dem Vieh – vor allem Ziegen – energiereiche Herbstnahrung vor den langen, kalten Erzgebirgswintern.

Quelle: Naturschutzgebiete des Ost-Erzgebirges (NSG Geisingberg 2015)

5 Ausblick Sachsenabfahrt

Ein toller Blick bietet sich hier an der Sachsenabfahrt. Wenn die Sicht gut ist, erblickt man in Dresden den Fernsehturm und kann bis weit über die Stadt Dresden hinaus schauen. Auffallend sind der Lilienstein und die Festung Königstein, die bekanntesten Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, der Sattelberg und ein großer Teil des Böhmischen Mittelgebirges. Nicht immer gelingt das, denn manches Mal ist der Nebel dicht und verhindert die schöne Aussicht. Dann bleibt nur ein zweiter Anlauf.

Wintersport wird im Osterzgebirge schon seit etwa 100 Jahren betrieben. Doch während heute die Schwerpunkte im Altenberger Raum bei Biathlon, (Rennschlitten-, Skeleton- angefügt) und Bobwettkämpfen liegen, wurden hier auf der Sachsenabfahrt 1937 die Deutschen Meisterschaften im Abfahrtslauf und größere Wettkämpfe im Skispringen auf der Geisingberg-Schanze ausgetragen. In den fünfziger Jahren wurde sie abgerissen.

Weiter lesen:  Naturführer Osterzgebirge/ Naturkundliche Wanderziele

6 Das heimische Wildobst…

zeigt sich besonders vielfältig, nachdem man, die geschlossene Holzschranke rechts liegenlassend, aus dem Wald heraus kommt. Linksseitig den Berg immer im Blick, begleiten uns nun zahlreiche Haselbüsche, Wild-Kirschen in allen Größen, Weißdorne und Wildrosen hin und wieder umgeben von Buche, Ahorn und Esche, die als sogenannte Forst- oder Alleebäume bekannt sind. Recht dicht bewachsen verstecken sich schon bald auch die ersten Alpen-Johannisbeeren, eine Art, die kaum bekannt aber wertvoll wegen ihrer Seltenheit ist. Am weitesten leuchten die sattgrünen Sträucher, wenn sie im Juni/ Juli mit ihren kleinen roten Johannisbeeren geschmückt sind. Hier unterhalb des Geisingberges wachsen noch ungefähr  75 teilweise männliche und teilweise weibliche Individuen dieser bis 1,5 Meter hoch werdenden Ribes alpinum. Diese Strauchart wurde im Wildobstprojekt (www.wildobstsachsen.de) umfangreich bearbeitet.

An dieser Stelle bietet sich ein vergleichender Blick an. Der dicht bewachsene Gehölzstreifen, an dem wir gerade entlang schlendern  bietet einen extremen Gegensatz zur links  verlaufenden Steinrücke. Diese wurde bereits einem Pflegedurchgang unterzogen und macht nun (2021) einen recht leeren Eindruck. Ein gutes Verhältnis zwischen Bäumen und Sträuchern und freien Bereichen sollte angestrebt werden, doch ebenso darf der durch Schnittmaßnahmen folgende Zuwachs nicht außer Acht gelassen werden.

Bei den verbliebenen Bäumen handelt es sich vorrangig um die Gewöhnliche Eberesche, die hier im Gebiet recht häufig vorkommt. Leider fallen entlang der Wanderroute aber auch abgestorbene Exemplare auf, die Ursache dafür ist noch nicht vollständig bekannt. Auch diese Baumart gehörte zum Untersuchungsschwerpunkt im Wildobstprojekt. Wenn man Glück hat und zur richtigen Zeit unterwegs ist, sieht man hier auch die wunderschöne Feuerlilie.

7 Altes und Neues am Wegesrand

Weiter geht’s, nicht ohne vorher noch einmal in die wunderbare Weite geschaut zu haben, zur nächsten den Pfad begleitenden Steinrücke. Sicherlich sind bereits vorher schon die eingezäunten Jungbäume aufgefallen, auch hier steht einer dieser vor dem Wild geschützten Bäumchen. Es handelt sich um gebietseigene Wild-Apfelsämlinge, von denen ca. 100 Stück im gesamten Geisingberggebiet gepflanzt wurden. Anfangs hatten es die kleinen Sämlinge recht schwer, sich mit den Bedingungen hier oben zu arrangieren. Inzwischen sind sie zu stattlichen Jungbäumen heran gewachsen.

Weiter begleiten den Wanderer nun Sträucher des Roten und Schwarzen Holunder, Wildrosen und noch mehr, teilweise am Absterben befindliche Ebereschen/ Vogelbeeren. Heidelbeeren und auch den gemeinen Schneeball werden wir finden. Die Früchte von Rotem Holunder und dem hier wachsenden Gewöhnlichen Schneeball ähneln sich etwas, jedoch die Blätter sind gut zu unterscheiden. Der Rote Holunder, auch Traubenholunder hat ähnliche Blätter wie der Schwarze, nur etwas schmaler. Die Blätter des Schneeballs sind jedoch 3-5lappig. Nähere Artinfos in der Broschüre „Ein Streifzug durch Hecken und Gebüsche“  www.wildapfel.info/ Veröffentlichungen

8 Am Klengelsteig

Die Blütenpracht vom Breitblättrigen- und Stattlichen Knabenkraut in Kombination mit leuchtenden gelben Trollblumen, Niedriger Schwarzwurzel, Kreuzblümchen, Arnika und Hainwachtelweizen ist schon einzigartig und zieht jedes Jahr die Besucher magisch an. Je nach Verlauf des zurückliegenden Winters  ist der richtige Zeitpunkt für einen Besuch dieser phantastischen Blütenwelt ab Ende Mai / Anfang Juni.  Aber auch, wenn man diesen Zeitpunkt verpasst, lohnt sich ein Besuch. Im Juli beispielsweise blühen die seltenen Feuerlilien, die an prunkvoller Schönheit kaum übertroffen werden können. Alantdisteln wohin das Auge blickt, versetzen die Bergwiesen noch einmal in ein anmutiges Farbenmeer. Die Wildobstgehölze der Steinrückenwelt können jedoch genauso schön, anmutig, und mindestens genauso geheimnisvoll sein…

9 Da oben steht er,  der Wild-Apfel vom Geisingberg.

Imposant steht er vorm Geisingberg, gerade gewachsen, mit gleichmäßiger Krone. Eigentlich untypisch hier oben im Gebirge. Meist sind diese Bäume kleiner und mehrstämmig, vielleicht auch etwas verkrüppelt aussehend, wie so viele der Gebirgsbäume. Viele Jahre machten es sich die Jäger auf ihm bequem und nutzten den hölzernen Hochstand als Ansitz. Im Frühjahr waren sie dann umgeben vom Blütenduft und den vielen Insekten, die  in der Morgen- oder Abenddämmerung noch auf Pollensuche waren. Vielleicht verschonte diese berauschende Stimmung manch Wild vor dem Abschuss. Inzwischen ist der Ansitz beseitigt.

Gern kann man den Baum aus der Nähe betrachten, doch nicht der kürzeste Weg führt zum Ziel. Im Naturschutzgebiet muss der Wanderer auf den Wegen bleiben und dann vorsichtig am Wiesenrand entlanggehen. Das angebrachte Markierungsschild zeigt, dass man am richtigen Baum angekommen ist. Zurück natürlich in der gleichen schonenden Weise. Denn die Wiesen sollen noch lange in dieser Pracht erhalten bleiben. Aber auch der Blick vom Weg aus, ist abhängig von Wetter und Jahreszeit, lohnenswert.

10 Station Botanik

Erst kürzlich ist uns dieser Wild-Apfelbaum aufgefallen, obwohl wir schon so viele Male an ihm vorbei gelaufen sind. Selbst unser geschultes Wild-Apfelauge hat ihn nicht wahrgenommen. Da er so nah am Wegrand steht, ist er sofort zu unserem Schulungsmodell geworden. Doch vorher wurde er sofort per GPS aufgenommen und wird demnächst also auch in unserer umfangreichen Datenbank zu finden sein.

Am Baum kann man sich abhängig von der Jahreszeit nun die Merkmale genau betrachten. Die Blätter, das heißt Blattstiele und Blattunterseiten dürften weitgehend kahl sein bzw. je nach Jahreszeit kaum ein paar kleine Häährchen aufweisen. Ebenso im Frühjahr die Blütenstiele, diese findet hier ca. ab Anfang Mai statt. Der Wanderer im Herbst hat wahrscheinlich das Glück hier kleine Wildäpfelchen zu finden. Bitte nicht unbedingt vom Baum abpflücken, die Nachkommenden möchten vielleicht auch gerne genauer hinsehen  auf die ungefähr 3 einhalb Zentimeter kleinen grüngelblichen Äpfel. Was am Boden liegt kann aber gern auch verkostet werden. Nicht erschrecken, denn der Geschmack kann einem die Gesichtszüge etwas verzerren. Nichts desto trotz, er ist super gesund durch ganz viel Vitamin C und der Tee  schmeckt wunderbar.

Nun kann man in Zukunft ganz genau erkennen, ob der gefundene Baum ein Wild-Apfel ist. Und wenn man doch noch einmal nachlesen muss, gibt der auf dem Schild befindliche QR Code Hilfestellung oder noch ausführlicher auf unserer Homepage.

 

11 Zurück am Anfang

Die kleine Wildobstwanderung geht hier zu Ende. Gerne kann sie nach der Verfassung des Wanderers und den individuellen Wünschen erweitert werden. So viele Ziele laden rund um den Geisingberg ein, zum Beispiel eine Umrundung des ganzen Berges. Auch eine „Gipfelbesteigung“ hinauf zur Baude ist möglich. In Abhängigkeit der Öffnungszeiten bekommt man hier einfaches aber leckeres Essen. Eine kleine Wanderung, mit einer Fülle von Kostbarkeiten der Natur. Wir hoffen der Wanderer sieht das auch so und kommt bald wieder. Vielleicht diesmal in einer anderen Jahreszeit?